LaFieri

Schrumpffaktor und Filzproben

Ich habe mir der Zeit gelernt etwas mehr Struktur in meine Arbeiten zu bringen. Das ist vor allen dann wichtig, wenn ich an einem Auftrag oder eben an einem Werkstück arbeite bei dem die Sorgfalt wichtig ist.

Man fängt mit dem Filzen an und hört immer mal wieder das Wort „Schrumpffaktor“ oder „Schrumpf“ und weiß gar nicht so recht etwas damit anzufangen.

Was ist also ein Schrumpffaktor?

Man legt die Wolle zu Beginn aus, dann liegen die Fasern locker und luftig beieinander. Während des Filz/Walkprozesses schieben sich die Fasern aneinander/ineinander und verdichten sich. Durch diese Verdichtung der Fasern wird die ausgelegte Fläche zwangsweise kleiner. Diesen Unterschied zwischen dem zu Anfang ausgelegten Maß(Abkürzung AM) und dem nach dem Walken fertigen Maß(Abkürzung FM) nennt man Schrumpffaktor.

 

Wie errechne ich den Schrumpffaktor?

Man kann ihn in unterschiedlichen Varianten ausrechnen und nutzen. Die einfachste ist die Formel: AM:FM= Schrumpffaktor(SF)
Nehmen wir als Beisspiel eine Filzprobe von mir für eine Wollmütze. Ich lege meine Filzproben meist auf eine Länge von 30x30cm aus. Nach dem Filzen ist diese Filzprobe aus extrafeiner Merinowolle nur noch 15x15cm. Das ist ein Schrumpffaktor von 2 (30:15=2) Wenn ich also nun das Schablonenmaß für den Kopfumfang einer Mütze errechnen möchte kann ich den SF wunderbar zur Hilfe nehmen, dabei rechne ich SF x FM = Anfangsmaß.

Wie errechne ich die Wollmenge?

Wenn ich bei meiner Filzprobe 6g Wolle genutzt habe, auf einer Fläche von 30×30, dann verteilen sich die 6g auf 900qcm(30×30=900). Um den Wollverbrauch pro qcm auszurechnen nehme ich 6g:900 = 0,0067 g/qcm kommt als Ergebnis heraus.
Die benötigte Wollmenge errechnet sich also aus der Gesamtfläche des Anfangmaßes.
Wenn die Schablone der Mütze die Maße 50x70cm hat sind das 3500qcm, damit multiplizieren wir die errechneten Gramm pro qcm.
3500×0,0067= aufgerundet 24g, dies ist die Menge an Wolle, welche wir für eine Seite der Schablone benötigen.

Warum sollte ich den Schrumpffaktor vorher mit Filzproben ausrechnen?

Hierbei gibt es verschiedene Antworten. Zum Einen spielt die verwendete Wolle eine sehr große Rolle. Jede Wollsorte besitzt andere Filzeigenschaften und auch einen anderen Schrumpffaktor. Ich habe mir ein Buch angelegt in dem inzwischen über 40 verschiedene Wollsorten sind. Und wenn ich mir nicht sicher bin, welche Wolle ich für ein Projekt nutzen kann/möchte, dann blättere ich darin herum und befühle die Filze.
Dann besitze ich inzwischen eine kleinere Sammlung an Filzproben für Kleidung/Accessiores. Für diese Werkstücke eignet sich eine Filzprobe hervoragend dafür um zu sehen wie groß ich die Schablone machen muss. Und gleichzeig kann man hervorragend Farbkombinationen ausprobieren und in einem kleinen Bereich sehen, ob und wie die Farben zusammen wirken.

© 2017-LaFieri