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Das Zackelschaf – Walachenschaf

Schaf des Monats – Eine Aktion des Filznetzwerkes

Zackelschafherde -Foto Yasmin Groß

Das Zackelschaf

Geschichte:

Der Ursprung aller Zackelschafe geht auf das Wildschaf Urial, welches im südwestasiatischen Raum domestiziert wurde, zurück und dürfte es seit ca. 5000 Jahren geben. Das heutige ungarische Zackelschaf entstand vermutlich vor ca. 1100 Jahren durch die Vermischung einiger Karpatenrassen. Damals gab es in Südost Europa eine Vielfalt von verschiedenen lokalen Rasseschlägen, von denen aber nur wenige erhalten geblieben sind. Anfang des 19.ten Jahrhunderts galten Zackelschafe vom Aussterben bedroht und nach dem zweiten Weltkrieg waren auch von dieser Rasse nur noch eine geringe Zahl von Tieren erhalten geblieben. Durch intensive Zuchtbemühungen in Deutschland und Ungarn beträgt der gesamte Bestand der   ungarischen Zackelschafe derzeit ca. 3500 Tiere.

Rassebeschreibung:

Das bekannteste und sichtbarste Merkmal dieser mittelgroßen, robusten und sehr widerstandsfähigen Tiere sind die korkenzieherförmig gedrehten Hörner. Die V-förmig abstehenden Hörner sind bei dieser Rasse nicht nur bei den Böcken anzutreffen, sondern ebenfalls auch bei den weiblichen Tieren. Sie werden bei den Auen bis zu 40cm lang und bei den Böcken können sie bis zu einem Meter Länge erreichen. Das Zuchtziel dem ungarischen Rasseschlag ist, dass die Hörner in einem Winkel von 90 Grad auseinander stehen. Es gibt aber häufig Tiere, bei denen sie auch weiter auseinander stehen.
Zackelschafe sind nicht nur äußerst genügsam was den Futteranspruch angeht, sondern auch sehr lebhafte und wachsame Tiere, die schnell flüchten. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen und selten trifft man auf sehr zutrauliche Tiere.
Die Rasse gilt als mäßig fruchtbar und ist streng saisonal brunftig. Die Auen bekommen im zeitigen Frühjahr meist nur ein Lamm, welches sie fürsorglich aufziehen.

Es gibt Zackelschafe in einem dunklen und einem hellen Farbschlag. Während die Lämmer des dunklen Farbschlages mit seidig schwarz glänzenden Locken auf die Welt kommen und im Laufe der Jahre immer mehr ergrauen, haben die Lämmer des hellen Farbschlages zu Beginn eine rötlichbraune Färbung, die mit der Zeit immer stärker aufhellt.
Als wirtschaftlicher Fleischlieferant gilt diese Rasse nicht. Die Auen werden meist 35-50kg schwer und die Böcke können ein Gewicht von ca. 55-75kg erreichen. Besonders hervorstechen diese Schafe durch ihre gute Resistenz gegen Klauenerkrankungen wie Moderhinke.

Viele Menschen sprechen bei Zackelschafe von sehr eleganten Schafe. Wer einmal eine Gruppe dieser Tiere beobachten durfte, wie sie mit hoheitsvoll gehobenen Kopf und den beeindruckenden Hörnern laufen, weiß genau was damit gemeint ist.

Zackelschafauen – Foto Yasmin Gross

 

Walachenschaf:

Geschichte

Das Walachenschaf wurde vor ca. 300 Jahren mit dem Stamm der Walachen in die mährischen Beskiden, Tschechien, eingeführt und dort als genügsames Milchschaf gehalten. Daher stammt auch der Beiname mährisches Zackelschaf. In diesen drei Jahrhunderten entwickelte sich so in Tschechien, der Slowakei und Südpolen eine eigenständige Rasse.
Leider wurde dieser Typ durch Einkreuzungen von Milch- und Fleischschafen in den frühen 1980zigern wirtschaftlicher gemacht und zu den Rassen Valaskaschaf und Cakiel umgezüchtet.
Nur eine sehr kleine reinrassige Restpopulation konnte erhalten werden und bildet den Ursprung der gesamten heutigen Population. Der deutsche Bestand geht auf zwei Böcke und sechs Auen zurück.
Und auch heute sind in Tschechien und Deutschland nur noch jeweils ca. 250 Muttertiere und rund 50 Zuchtböcke verzeichnet. Diese geringe Zahl macht einen bewusst wie selten diese Tiere sind.

Rassebeschreibung

Diese Schafe aus der Gruppe der Zackelschafe ist ebenfalls mittelgroß und feingliedrig. Im Gegensatz zu den ungarischen Zackelschafen ist hier oft nur der Bock gehörnt. Diese haben ausgeprägte, spiralförmig gedrehten Hörner, welche seitlich abstehen und sind bis zu 50cm lang werden. Die weiblichen Tiere hingegen sind nicht immer gehörnt, aber wenn sie es sind, dann sind die Hörner meist wesentlich kürzer und weniger gewunden. Die Tiere sind am Körper weiß bewollt, lediglich der Kopf ist häufig dunkel gesprenkelt oder gefleckt. Früher gab es oft auch dunkle Tiere in braun oder grau, aber erst langsam gibt es wieder ein paar dunkle Schafe in den heutigen Zuchten. Der Charakter der Tiere zeichnet sich durch ihre temperamentvolle und ebenfalls sehr wachsame und scheue Art aus. Sie sind genügsame und widerstandsfähige Landschafe eignen sich besonders gut zur Landschaftspflege auf extensiven, trockenen Flächen.

Die Altböcke haben eine Schulterhöhe von ca. 70cm und können zwischen 65-75kg schwer werden. Die Auen bleiben oft 10-15cm kleiner und sind mit einem Körpergewicht von 40-55kg leichter.

Zackelschafherde – Foto Julius Richter

Wolle:

Die Wolle beider Rassen ist mischwollig und zählt zu den groben Wollsorten. Vor allen Walachenschafwolle ist oft mit Wolle von Schnucken zu vergleichen. Aus diesem Grund ist die Wolle, ebenso wie die Schnuckenwolle, häufig als Abfallprodukt angesehen.

Zackelschafwolle filzt so gut, sodass sie oft schon am Schaf verfilzt und das Vlies an einem Stück vom Schaf geschoren wird.

Beide Rassen haben sehr lange Grannen (Meist bis zu 30cm), die je nach Tier mehr oder weniger lockig am Körper herabfallen. Über den Durchmesser der Wollsorten ist wenig zu finden. Die Unterwolle der Zackelschafe hat einen Durchmesser von 16-30 mic und die Grannenhaare 40-60mic. Allein diese Spanne zeigt wie unterschiedlich die Wolle dieser Rasse ist.

Der Wollertrag liegt meist bei:

Zackelschaf:  Altböcke – 3-4kg, Mutterschafe –  1-2kg
Walachenschaf: Altböcke 4- 5kg, Mutterschafe –  2kg

Text Yasmin Gross

Zackelschafwolle – Foto Margit Röhm

Filzeigenschaften der Wolle vom Zackelschaf

Wolleigenschaften und Besonderheit

Lockere Zackelschafwolle aus Frühjahrsschur nicht verfilzt

Bevor wir uns mit den Filzeigenschaften der Wolle beschäftigen, möchte ich die Wolle erst einmal eingängig betrachten. Wenn wir Zackelschafwolle  von verschiedenen Tieren haben, dann stellen wir fest, dass diese nicht nur eine breite Farbvielfalt aufweisen, auch die Haptik und die Lockenform können stark variieren. Zackelschafwolle gibt es in fast schwarz bis weiß in allen grau-Silberschattierungen. Teilweise finden wir an einem einzigen Schaf Schattierungen von schwarz bis silbergrau.

vollständig verfilztes Vlies aus später Frühjahrsschur

Außerdem sind die Locken teils stark gekräuselt und teilweise fast glatt. Und genau so verhält es sich auch mit der Feinheit der Wolle. Natürlich hat das einerseits mit dem Alter der Tiere zu tun und Wolle vom Bock ist oft gröber wie die der Schafe, tatsächlich entwickelt aber jedes einzelne Tier seine charakteristische Wolle und Farbe. Beim Einkauf ist also dringend dazu zu raten, die Wolle anzusehen.

Eine weitere Eigenschaft der Zackelschafwolle sollte dringend berücksichtigt werden, Zackelschafe werden teilweise zwei  Mal im Jahr geschoren. Dabei ist die Qualität der beiden Schuren komplett anders. Während die Wolle der Frühjahrsschur sehr viel Unterwolle aufweist  und ein schönes zusammenhängendes, teilweise verfilztes Vlies bildet, lassen sich bei der Herbstschur nur einzelne Locken, nicht aber ein zusammenhängendes Vlies finden. Die Verarbeitung der Herbstschur ist deshalb ganz anders, als das der Frühjahrsschur.

Eine letzte Eigenheit der Wolle läßt sich zwar bei vielen Schafrassen beobachten, beim Zackelschaf kommt es aber leider sehr häufig zu diesem Phänomen. „Die Dreigeteilte Wolle“

Ich habe hier das Vlies eines etwas in die Jahre gekommenen Zackelschafbockes, das sich im Rückenbereich zu einem brettharten Stück  Fell verfilzt hat. Wenn ich  nun einen Stapel der Wolle losreiße, so stelle ich fest, dass die dickste Stelle nicht wie zu vermuten an der Schnittkante liegt, sondern ca. 2cm davor. Wir haben also die langen Locken, dann einen dicken Bereich Unterwolle und danach wieder nur die Grannenhaare mit nur sehr wenig Unterwollhaaren.

Die Erklärung ist dabei sehr einfach: Das Zackelschaf gehört zu den eher ursprünglichen Schafrassen, die bei der ersten Hitzewelle des Jahres die Unterwolle verlieren. Da die langen Haare aber nicht mit ausgehen, bleibt die Unterwolle im Fell hängen. Die langen Haare wachsen, mit ein wenig Sommerunterwolle weiter und bilden das Sommerfell. Wenn die Schafe jetzt nicht bald geschoren werden können, so verfilzt die lose Unterwolle zwischen den Granenhaaren zu einem dicken festen Filz. Leider hatten wir in den vergangenen Jahren häufiger eine kurze Hitzeperiode schon im April und dann einen sehr kühlen und nassen Mai, so dass die Schafe teilweise erst im Juni geschoren wurden. Die Wolle war dann schon ca. 2cm nachgewachsen und das führt zu dieser Dreiteilung der Wolle. Deutlicher ist dieses Phänomen bei der Moorschnuckenwolle zu sehen, bei der allerdings die Unterwolle nicht zu Verfilzungen neigt.

Die Verarbeitung einer solchen Wolle ist extrem schwer, was die Qualität extrem mindert.

Filzeigenschaften

Nach dieser etwas längeren Betrachtung der Wolleigenschaften, müssen wir dies auch bei den Filzversuchen berücksichtigen. Wir haben also einerseits normal geschorene Frühjahrswolle mit viel Unterwolle und langen Locken, außerdem die deutlich kürzere Zweitschur mit wenig Unterwolle und zum Schluss möchte ich versuchen die reinen Locken des verfilzten Vlieses abzuschneiden und zu verfilzen.

Nachdem die Wolle sehr locker und auch erstaunlich sauber vorliegt, ist das Auslegen erstaunlich einfach. Nur bei den abgeschnittenen Locken müssen die einzelnen Stapel mit etwas mehr Sorgfalt auseinandergezupft werden.

Auch beim Nässen zeigt sich die Wolle erstaunlich kooperativ und es bedarf nicht sonderlich viel Seife, um sie nass zu bekommen. Es ist auch schon bei der vorherigen Betrachtung aufgefallen, dass Zackelschafwolle nicht sonderlich viel Wollfett aufweist.

Erstaunlich ist schon beim Anfilzen, dass sich alle drei Flächen ganz ähnlich verhalten. Auch erstes Reiben zeigt sehr schnell gute Filzerfolge. Bis die Flächen allerdings schrumpfen und einen festen, belastbaren Filz ergeben, bedarf es einige Zeit. Die Ergebnisse betätigen dann aber endgültig, dass  bei der Zackelschafwolle nicht nur die Unterwolle gute Filzeigenschaften aufweist sondern auch die langen Locken. Es handelt sich dabei also streng genommen nicht um Granenhaare, sondern um lange Wolllocken.

Diese besondere Eigenschaft der Zackelwolle macht uns deshalb das Filzen eines schönen Filzfelles deutlich schwerer, als wir es z.B. von der Heidschnucke kennen. Wer beim Filzen nicht gut aufpasst, dem kann es durchaus passieren, dass die Locken mit einfilzen und nur eine dicke Filzfläche entsteht.

Da wir aber die Wolle nicht dachziegelartig auslegen sondern senkrecht auf die Unterlage stellen, ist diese durch etwas Sorgfalt und zeitweises Lösen der Locken auch leicht zu vermeiden.

Fazit:

Zackelschafwolle ist zwar etwas zickig und nicht so sehr weich, bietet aber durch seine Varietät so viele Möglichkeiten, dass sie sich wie kaum eine zweite für besondere Fell- und Lockeneffekte eignet. Die Farbliche Vielfalt und auch die unterschiedlichen Locken lassen die unterschiedlichsten Fellstrukturen entstehen. Allerdings ist der Einkauf von Zackelschafwolle  mit Vorsicht zu genießen, da die Qualität, Farbe und Weichheit von jedem Vlies extra bewertet werden muss und von Jahr zu Jahr stark variiert.

Die Länge des vorliegenden Textes mag den interessieten Lesern aber zeigen, dass sowohl Yasmin, als auch ich vollkommen verliebt in diese Wolle sind und sie immer wieder mit großer Leidenschaft verarbeiten.

Text und Fotos – Margit Röhm

 

Mit freundlicher Genehmigung von Margit Röhm kopiert.

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